Große Pläne für 2008 - Interview mit Thorsten Wanek über die Zukunft der Second Edition | openCards

You are here

Große Pläne für 2008 - Interview mit Thorsten Wanek über die Zukunft der Second Edition

    This Interview with Jaglom Shrek was hold by openCards user Telak.

    Telak: Hallo Thorsten,
    freut mich, dass wir heute über die Zukunft von ST2E in Europa und speziell in Deutschland sprechen können. Letzten Endes kam die Mitteilung von BigD Ende letzen Jahres nicht mehr wirklich sehr überraschend – oder?

    TW: Decipher hat kurz vor Weihnachten durch eine schlichte Pressemitteilung bekannt gegeben, dass das Star Trek Customizable Card Game mit dem 14. Set What You Leave Behind eingestellt wird. Hinter den Kulissen existierten aber breits seit Anfang des Jahres Planungen für den Fall, dass Decipher seinen Support einstellen sollte. So hatte der damalige STCCG Brand Manager Brad DeFruiter zahlreiche Aufgaben der früheren Organized Play Verwaltung DGMA (Decipher Game Management Authority) an freiwillige Helfer übertragen. Mir wurde damals die Position des Organized Play Coordinators für Europa zuteil, was beispielsweise die Veranstaltung der Europameisterschaft einschloss. Aber nicht nur in der Turnierveranstaltung, auch im Game Design waren bereits zahlreiche Spieler beteiligt worden und bei Decipher verblieb lediglich der Vertrieb der Produkte. Nachdem u.a. Europas größter Distributor Universal Cards nach Bekanntmachung der Einstellung des Lord of the Rings TCG seine Zusammenarbeit mit Decipher gekündigt hatte, brach sogar der Vertrieb zusammen und lediglich ein paar Händler in den USA übernahmen den weltweiten Weiterverkauf. Decipher hatte also schon längst keine Kontrolle mehr über das STCCG, als es dieses offiziell einstellte.

    Telak: Wir kennen dich seit langen Jahren als DIE treibende Kraft in der deutschen ST2E Szene. Sei es als Organisator und TD von unzähligen Turnieren in Deutschland, als einen der Betreiber von STCCG-Turnier.de oder als Organisator des Organized Play in Form von Deutschen Meisterschaften oder in 2007 auch als einen der Organisatoren der sehr erfolgreichen Europameisterschaft in Berlin. Wir alle hoffen, dass dies alles auch in diesem und den kommenden Jahren weiter gehen wird – gibt es schon Pläne die Turniersaison 2008? Wird es wieder eine Deutsche Meisterschaft und einen Grand Prix geben?

    TW: Zum 1. Janaur 2008 hat das Continuing Committee die Kontrolle über das STCCG übernommen. Worum es sich dabei handelt? Um einen Zusammenschluss der weltweit aktivsten Unterstützer und Spieler dieses Spiels, die in einer gemeinnützigen Organisation das Star Trek Sammelkartenspiel nicht nur auf Turnieren sondern auch in Form neuer Karten fortführen. Mit dabei sind sowohl das gesamte Organized Play Team von Decipher als auch das Writers Team, welches in den letzten Jahren regelmäßige Artikel auf der Decipher Seite veröffentlicht hat. Und mit den Writers sind auch die Playtester mit an Bord – und das im Game Development Team unter der Leitung von Brad DeFruiter! Eigentlich sollte den Mann jeder kennen, aber hier zur Sicherheit nur soviel: Er war nicht nur Brand Manager bei Decipher, sondern hat zusammen mit Evan Lorentz die 2nd Edition entwickelt und u.a. so herausragende Sets wie Necessary Evil, These Are the Voyages und What You Leave Behind designt.

    Das bedeutet, es wird auch in Zukunft hochwertig entwickelte Expansions geben, die in Form virtueller Karten zum selbst Ausdrucken zur Verfügung gestellt werden. Somit wird natürlich auch das Organized Play fortgeführt, was für Deutschland heißt: Ja, es wird wieder eine Deutsche Meisterschaft geben und ja, auch eine Grand Prix Convention ist geplant! Als OP Coordinator für Europa liegt es aber auch in meinen Aufgabenbereich, das Turnierspiel zu fördern. Zusammen mit Tony Gammell werde ich daher wieder ein Team zusammenstellen, welches in Europa das Organized Play Programm umsetzt und neue Turnierkonzepte entwickelt. Für die deutschen Spieler ändert sich aber erstmal nicht soviel: Es wird wieder Landesmeisterschaften geben und nach der Deutschen Meisterschaft in Kassel etwa im Juni ist die Europameisterschaft in Berlin ein fester Programmbestandteil. Lediglich die bisherigen Territorial Open Championships werden nicht in der bisherigen Form stattfinden, dazu aber demnächst mehr!

    Telak: Die Europameisterschaft in Berlin im letzten Jahr war ein großer Erfolg. Hinter diesem Event hat in diesem Jahr ein ganzes Team von Organisatoren und Writers nicht nur aus Deutschland gestanden. Gibt es Pläne diese Zusammenarbeit auszubauen?

    TW: Oh ja, wir haben große Pläne! Und wer die überaus erfolgreiche Europameisterschaft 2007 miterlebt hat, der weiß, dass wir keine leeren Versprechungen machen. Im Moment ist noch vieles im Planungs- oder auch schon im konkreten Entwicklungsstadium, daher kann ich nicht viel dazu sagen. Wir werden einige neue Positionen schaffen um das Organized Play auf europäischer Ebene gezielt voranzubringen. Auch die Zusammenarbeit mit openCards wird nach den guten Erfahrungen in der Promotion-Phase der Europameisterschaft intensiviert werden. Bestätigt ist bisher allerdings nur Tony Gammell, der trotz eines eigenen Aufgabenbereiches im Continuing Committee als Public Relations Manager für Europa zurückkehren wird. Weitere Namen geben wir bekannt, sobald alle Aufgabenbereiche festgelegt sind und die Rekrutierung abgeschlossen ist.

    Telak: Wir du bereits sagtest wird es virtuelle Karten zum selbst Ausdrucken geben. Das stellt sich die Frage, was auf lange Sicht mit den bisher von Decipher veröffentlichten Karten passieren wird. Braucht man in Zukunft überhaupt noch echte Karten?

    TW: Dies ist eine spannende Frage. In der Tat gibt es momentan zwei sehr gegensätzliche Bewegungen in der Spielerschaft und auch im Continuing Committee. Sollen wir die Verfügbarkeit von Karten begrenzen, um den Wert realer Karten zu erhalten, oder sollen wir es den Spielern überlassen, mit echten oder kopierten Karten zu spielen? Öffentlich diskutiert wird beispielsweise, ob man die virtuellen Expansions nur in Verbindung mit realen Karten älterer Sets benutzen darf, d.h. man würde beispielsweise für die virtuelle Karte 15V1 eine reale Karte 1U1 als Basis benötigen – andernfalls dürfte man nicht damit spielen. Der Vorteil läge darin, dass ältere Karten nachhaltig einen gewissen Sammelwert behalten oder sogar für Spieler wieder interessanter werden, da ihr virtuelles Pendant möglicherweise viel spielstärker als das Original ist.

    Auf der anderen Seite ermöglicht es der Wegfall sämtlicher Restriktionen den Spielern auf alle bisher erschienen Karten zuzugreifen. Wenn man also einfach ausdrucken bzw. kopieren kann, was man gerade zum Spielen benötigt, so entscheidet nicht mehr der Kartenbestand sondern ausschließlich die Spielstärke über den Erfolg. Außerdem ist es potentiell neuen Spielern so möglich, sich das Spiel anzuschauen und einzusteigen. Schließlich gab es auch von Decipher Demodecks zum Ausdrucken und zuhause kann eh jeder mit Kopien spielen. Warum also Spieler von Turnieren fernhalten, indem man die Verwendung von teilweise kaum mehr erhältlichen Originalkarten vorschreibt?

    Das Continuing Committee beobachtet momentan die Entwicklung der Spielszene, erlaubt aber bisher nur die Verwendung realer Karten auf Turnieren. In Deutschland dagegen haben wir in Absprache mit den meisten Turnierleitern eine Testphase gestartet, die bis Ende Juni läuft: Auf allen entsprechend gekennzeichneten Turnieren sind kopierte bzw. ausgedruckte Karten ausdrücklich zugelassen. Wir werten das dann aus und werden die Ergebnisse an das Continuing Committe übergeben, inwiefern sich positive oder negative Effekte daraus ergeben haben. Eingeschlossen in diese Studie sind auch die Deutschen Landesmeisterschaften, auf denen wir durch die vorgeschriebenen Decklisten sehr genaue Daten erheben werden können.

    Telak: Thorsten (Jaglom Shrek), vielen Dank für dieses Gespräch!

    Lieutenant-Telak
    Brand Manager ST2E on openCards